Walliser Sagen
Der Graatzug: die Walliser Sage
Im Oberwallis erzählt man seit Jahrhunderten vom Graatzug: dem Zug der armen Seelen, der nachts über Grate und Pässe zieht. Nach ihm ist unser Rennen benannt.
Die Sage
In den Walliser Sagen, 1872 herausgegeben von Moritz Tscheinen und Peter Joseph Ruppen, ziehen die Toten «in grossen Karawanen» über die Höhen. Wer den Zug hört, hört ein dumpfes Murmeln wie bei einem Bittgang, dazu Trommeln und Pfeifen, manchmal nur einen kalten Windstoss. Wer nachts unterwegs ist, stellt sich oberhalb des Weges. Wer im Weg steht, «kommt in den Gratzug».
Drei Glockenstunden
In einer Erzählung zieht der Zug ab Mitternacht an einem Mann vorbei, drei lange Glockenstunden, bis zum Betläuten um drei Uhr. Am Graatzug sind das die Runden 13 bis 15.
Weitere Fassungen
- Ulrichen: Ein Sigrist erkennt jedes Gesicht im Zug, nur das des Letzten nicht. Der Letzte ist er selbst. («Unpaar Strümpfe», gesammelt von Josef Guntern)
- Bellwald: Die Seelen müssen jede Nacht über neun Gräte und neunundneunzig Friedhöfe wandern.
- Albinen: Ein Pfarrer betet nachts im Graben. Wer über seine linke Schulter schaut, sieht den Graben voll armer Seelen.
Graatzug am Simplon?
Am Simplon selbst ist der Graatzug nicht überliefert, er gehört dem ganzen Oberwallis. Vom Simplon stammt dafür die Sage vom Wirt von Gondo, der um 1630 einen Reisenden ermordete und danach als schwarzer Hund umging.
Quellen: Tscheinen/Ruppen, Walliser Sagen (Sitten 1872); Josef Guntern, Walliser Sagen (1963); Johann Jegerlehner. Über maerchenstiftung.ch.
Kurz gefragt
Was bedeutet Graatzug?
Graatzug ist Walliserdeutsch und bezeichnet in der Sage den Zug der armen Seelen, der nachts über Grate und Pässe zieht.